Peter Fessl (SPD): Eigentum verpflichtet!

Ortsverein

Offener Brief von Peter Fessl an Hans Irchenhauser
zum PK-Artikel "Stufenweise nach oben" vom 27. Juni 2017 über die Entwicklung der Baulandpreise.


Lieber Hans Irchenhauser,

Teile Ihrer Aussagen im PK-Statement "Stufenweise nach oben" machen mich sehr traurig, um nicht zu sagen: Ich bin entsetzt!

Sie haben recht mit Ihrer Aussage, dass sich die Wohngewohnheiten der Menschen bei uns geändert haben, auch Ihrem Hinweis auf regionale Unterschiede stimme ich zu. Doch Ihren zitierten Schlusssätzen möchte ich konsequent widersprechen: Der Satz "Wenn's um den Geldbeutel geht, braucht keiner die Moralkeule schwingen", ist so einfach nicht hinnehmbar. Würden wir bei Geldgeschäften die Moral grundsätzlich außen vor lassen, möchte ich in so einem Land nicht mehr wohnen.

Ich unterstelle den Politikern aller demokratischen Parteien, dass sie noch Verantwortungsgefühl genug haben, genau gegen diese Trends des Kapitalismus ohne Moral anzukämpfen und schlimmste Auswüchse wenigstens einzudämmen. Teilerfolge gibt es. Auch in Pfaffenhofen. Wenn der Stadtrat das Einheimischenmodell ausbaut und wenn Sozialwohnungsbau einstimmig beschlossen wird, sind das gute Zeichen. Ob es das Recht eines Hausbesitzers ist, "auch überhöhte Preise anzunehmen", wie Sie sagen, ist diskutierbar. Nach der reinen Lehre der Marktwirtschaft selbstverständlich, nach ethischen Gesichtspunkten selbstverständlich nicht. Wo Notlagen zum Beispiel ausgenutzt werden, darf man ruhig den Begriff "Ausbeutung" verwenden.

Den Grundgesetzartikel "Eigentum verpflichtet" möchte ich hier gar nicht näher anführen. Sie müssten ihn noch kennen aus der Zeit am Schyren-Gymnasium, Sie haben ihn in Ethik, Religionslehre und Sozialkunde gehört.

Zynisch werden Ihre Ausführungen, wenn Sie sagen "Schließlich wird auch keiner gezwungen, einen zu hohen Preis zu bezahlen." Ja, jetzt wissen wir es! Kommentar überflüssig.

Sie könnten aber, Herr Irchenhauser, möglicherweise dazu beitragen, dass die von Ihnen geleugnete Zwangslage in Pfaffenhofen ein klein wenig entschärft wird, wenn Sie in größerem Umfang am Bau von Sozialwohnungen sich beteiligen würden. Das fände ich toll. Das ist zwar nicht Ihre Aufgabe, das sollen nach verbreiteter Meinung Stadt und Sozialverbände machen. Ich fände es trotzdem toll.

Die Belohnung wäre ein riesiger Respekt von respektablen Menschen mit honorigen Berufen, die sich bald keine Wohnung mehr leisten können, geschweige denn ein bescheidenes Eigenheim so wie früher. Nennen Sie mir den Krankenpfleger oder die Postbotin, die nur durch Entlohnung der eignen Hände Arbeit am Immobilienmarkt Spielräume hat.

Freilich, Sie sind an der Gesamtsituation so wenig schuld wie ich und andere auch. Aber wir können beide, jeder mit seinen Möglichkeiten, ein kleines Stück mithelfen, die Lage zu entspannen.

Peter Feßl
SPD Stadtrat Pfaffenhofen

 
 

Counter

Besucher:1884930
Heute:24
Online:1
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

> SPD Stadtratsfraktion Pfaffenhofen

 

 

 

...